Musikproduktion in Scheiben - Ein Schulterblick
Hin und wieder mache ich ja auch mal Musik ;-). Irgendwann im Alter von 10 Jahren habe ich damit angefangen und nicht mehr aufgehört. Damals war das Erlebnis meistens nur so lang wie das Live-Spiel und ziemlich vergänglich, denn teures Aufnahmequipment, mit dem ich bestimmte Darbietungen hätte aufnehmen und erhalten können, waren finanziell unerreichbar. Das Wort “Mehrspur-Bandmaschine” klang für mich mindestens so sexy und begehrenswert wie “Bo Derek” - ihr erinnert euch…die Traumfrau in den 80ern.
Heute ist alles bezahlbarer und einfacher dank moderner Computer und intelligenter Software, die im Prinzip den größten Teil des klassischen Studioequipments ersetzen. Moderne Produktionshäuser für Musik (und Film) sehen heute viel mehr wie Werbeagenturen oder Multimedia-Firmen aus. Die riesigen Gerätetürme für Sound und Aufnahme verstauben in den Kellern oder gehen für einen erbärmlichen Betrag an Analog-Freaks über Ebay. Aber ich schweife aus…
Ich wollte euch heute einmal einen Eindruck geben, wie ich Musik entstehen lasse, Schritt für Schritt und Spur für Spur. Dabei habe ich einen vergleichsweise simplen Loop mit dem Keyboard eingespielt und aufgenommen. Der Sound verlässt übrigens nie den digitalen Weg, d.h. alle Klänge werden digital erzeugt, aufgenommen und landen schließlich -digital gemixt- hier auf diesem Server.
Aber nun einmal beispielhaft -und ohne Anspruch auf den Kreativpreis 2006- der Loop, der als Basis für die weitere Entwicklung dienen soll:
Wie ihr hören könnt, ist das wirklich unspektakulär und harmonisch vergleichsweise einfach gestrickt. Deswegen habe ich mit der Gitarre direkt in den Computer eine kleine Begleitung mit ein paar klassischen Effekten eingespielt, während die erste Spur und ein Metronom in meinen Kopfhörern mitlief. Beim ersten Take riss die hohe E-Seite, wie im Bild sichtbar :-(.
Naja, schon besser, aber es fehlt doch noch so einiges. Vor allen Dingen ein Rythmus, den ich zwar urspünglich irgendwie im Ohr hatte, aber der nun Takt für Takt von mir programmiert werden muss. 1,2,3,4, Snare da, Hi Hat hier, Achtel, Sechzentel, Fills, Schlagzeug eben. Alle Schlagzeug-Sounds, die ihr hört, sind übrigens “echt”, also mit Profi-Mikros einmal real im Studio aufgenommen (Samples) und ich definiere dann in der Sequencer-Software, wann und wie intensiv mein Rechenknecht welches Schlagzeugistrument im Song erklingen lassen soll.
Kriegt langsam Gesicht, der Loop, aber das Ganze könnte noch ein bisschen fetter und tiefer klingen. Also her mit einem zweiten Synthesizer-Sound, der gut zum ersten passt. Wieder auf dem Keyboard eingespielt, während die anderen 3 Spuren als Playback mitlaufen. Ihr merkt schon, das ist wie damals mit Jean Michel Jarre; 20 Instrumente gleichzeitig, aber eben doch nur hintereinander…
Ach so, der Bass, was für ein Basslauf könnte passen?! Hmm…Soundsamples für Bass aussuchen und wieder einige Läufe auf dem Keyboard probieren, bis es für´s erste brauchbar klingt.
So, damit soll es hier mal für diesen Loop genügen, nachdem ich fünf Basisinstrumente hintereinander eingespielt bzw. programmiert (Drums) habe. Jetzt variiere ich noch mit verschiedenen Rythmusloops und einer kleinen Solo-Gitarre und der Track bekommt eine gewisse Struktur, auch wenn ich bis dahin erst einen Teil eines kompletten Songs bearbeitet habe.
Mal sehen, ich werde diesen Loop vielleicht auch demnächst zum vollständigen Titel ausbauen - für diesen kleinen Schulterblick in die tägliche Praxis soll es aber heute genügen.
P.S.: Wer diese Soundclips oder Loops in seinem Podcast einbauen möchte - Kein Problem. Kontaktiert mich einfach, ich schicke euch dann eine brauchbare Variante zu.


November 8th, 2008 at 23:53
Interessant, Dir bei Deiner Musikproduktion “über die Schulter schauen” zu können. Man hört, dass Du nicht erst seit gestern dabei bist.
Im Übrigen sind die riesigen Türme auch heute noch gern in den Tonstudios genutzt…das nennt man dann Vintage und bietet einen weiteren Grund, noch mehr Stundensatz zu verlangen