PODCAST. Fluch und Segen eines Produktnamen.
Vorab: Der Name ist gut gewählt - vor allem aus Sicht von Apple, die sich mit ihrem Product-Brand iPod im Namen Podcast wiederfinden. Ebenso verständlich ist aus Sicht der Apple Markenwächter, dass sie ihre Namensrechte schützen wollen. Das Problem ist nur, dass ein generisch nicht aus dem Apple-Umfeld entwickeltes Produkt nun in Gänze zum Spielball kommerzieller Markeninteressen wird. Früher oder später werden konsequenterweise auch Portale, Domains und Sekundärprodukte (ipodder, podcastready, podcast.de und, und, und…) ernsthafte Probleme mit Namensrechten bekommen.
Ich habe mich immer schon gefragt, warum ein ursprünglich als Internet-Bürgerfunk aus der Independant-Szene entwickeltes Produkt -mehr oder weniger absichtlich- eine Namen bekam, der eindeutige Assoziationen und Namensteile zu einem proprietären mp3-Player enthält. Natürlich hatte diese Namensgebung für die relative Verbreitung des neuen Mediums auch handfeste Vorteile. Mit Apple I-Tunes und dem Erfolg des I-Pods stieg auch die Verbreitung des Podcastings in der Internetszene rasant und aus einem Nischenprodukt ist heute ein fester Bestandteil des WEB 2.0 geworden.
Die Assoziation von “Podcast” zu Apple hat aber -neben der Rechtefrage- auch erhebliche Nachteile. Ich spreche da aus praktischer Erfahrung, wie Podcasts z.B. als Teil der zukünftigen Unternehmenskommunikation wahrgenommen werden. Kaum eine Marketingabteilung hält “Podcasting” heute für relevant. Nicht wenige haben noch nie etwas von “Podcasts” gehört und diejenigen, die es kennen, assoziieren damit eine Zielgruppe, die klein, gadget-verliebt und apple-affin ist. Podcasts werden außerdem häufig mit einem rein mobilen Dienst verbunden; die Feststellung, dass über 50% der Podcasts am PC gehört werden, löst bei den Verantwortlichen interessiertes Erstaunen aus. Und dass Podcasts auch mit einem 10€ mp3-Player oder mit allen neueren Handy-Generationen gehört werden können, ist eine der wesentlichen Facts, die ich bei Präsentationen zu diesem Thema einleitend anführe.
Natürlich ändert sich mit diesem Wissen auch die Einschätzung über Podcasting in den Marketingabteilungen. Wenn gar Handys Podcasts abspielen können, dann ist die potenzielle Zielgruppe weitaus größer, als ursprünglich gedacht. Die Zielgruppe finden sich also nicht nur im Apple-Umfeld. Wenn ich dann noch verdeutliche, dass Podcasts nicht ausschließlich über I-Tunes abonniert werden müssen, sondern über RSS-Feeds z.B. in einem eigenen Corporate Blog angeboten werden können, lösen sich die ursprünglichen Bedenken ziemlich schnell auf. Aber der Weg ist mühsam. Die Geschichte der (Corporate) Podcasts ist also eine Geschichte voller Missverständnisse, ausgelöst durch die Namensgebung. Aufklärung ist dringend erforderlich - und ein neuer Name steht wohl auch an, wenn Apple so weiter macht.

Oktober 25th, 2006 at 12:09
Blöd. Da hat Apple sich ja mal was vorgenommen! Schön die Podcast Community aufscheuchen und sich unbeliebt machen. Ich denke das wird die eingeschweisten Apple Fans nicht weiter stören, mich stört es auch nicht wirklich, aber es sollten keine kleinen mutigen Firmen mit Zubehör für den iPod (oder Ähnlichem) darunter zugrunde gehen müssen. Aber das gab es doch auch schon alles einmal, wie wurde denn da entschieden? Ich denke der Walkman war auch so eine Sache. iPod ist aber auch ein verdammt kurzes Wort, da kann man nicht viel rauskürzen so wie bei Windows und Winamp. Hier noch ein Artikel dazu: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,440319,00.html
April 10th, 2008 at 23:35
Wenn ich so frei sein darf, ich finde den Namen Podcast doof.
Damit meine ich nicht das sich dahinter verbergende Teil, sondern einfach nur den Klang diese doch so bekannten Produktnamens.
Beispiel: Apple ist ja nun mal auch ein schicker Markenname und der hört sich doch wesentlich gefälliger als Podcast, oder?
Warum konnten oder haben die Brander beim Branding nicht einfach was anderes gebrandet?
Beste Grüße aus Hamburg!
Andreas Herrmann