StudiVZ, Nestbeschmutzer eines zarten Pflänzchens.

Nein, ich habe nichts gegen Erfolg. Ich wünsche ihn ausdrücklich für Deutschland und seine Entrepreneure. Denn Erfolg in der Gründerszene und im neuen Mittelstand kann einen Beitrag dazu leisten, dass volkswirtschaftlich wieder etwas geht und Entwicklungen wie diese sich nicht dauerhaft manifestieren. Daher teile ich auch nicht grundsätzlich die Meinung mancher Dauerskeptiker, die seit der DotCom-Blase das Vertrauen für Werte in der IT-Branche verloren hatten. Wir brauchen eine Gründerwelle im Internet, wir brauchen allerdings auch ein Gespräch über Werte, über Ethik und Verantwortung. Wer Werte nur als die Masse materieller Güter verinnerlicht hat, wer Kunden und Mitglieder nur als Schwungmasse verwertbarer Aktiva versteht und wer glaubt, ohne wirkliche Substanz ans schnelle Geld zu kommen (Anleger eingeschlossen), wiederholt in der Tat die Fehler, die einen ganzen Kapitalmarkt schon einmal zerstörten. Daher sind die unsäglichen Defizite von StudiVZ nicht nur das Problem einiger beteiligter Investorengruppen, Gründer und Mitglieder, sondern sie beschädigen vehement das zarte Pflänzchen, welches sich als neue Gründerwelle von Technologie-Unternehmen in Deutschland ernsthaft aufmacht, um gute Ideen in verantwortliche unternehmerische Taten umzusetzen. Leider wirken die negativen Beispiele wie StudiVZ oder die “extrem guten” Beispiele wie der Verkauf von Youtube an Google nicht sehr vertrauensbildend, zumal sie an der Spitze der medialen Wahrnehmung stehen. Sie zeigen Extreme einer Entwicklung und überdecken den differenzierten Blick über den Tellerand für eine breite Öffentlichkeit. Pleiten und Mega-Deals sind sicher auflagen- und aufmerksamkeitsstarke Stories, aber für das Image der vielen guten Gründungsinitiativen und privatrisikobereiten Unternehmer ist das eine äußerst ungünstige Entwicklung.

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Roland Kühl-v.Puttkamer

Roland Kühl-v.Puttkamer

5 Kommentare zu “StudiVZ, Nestbeschmutzer eines zarten Pflänzchens.”

  1. johnny sagt:

    Sehe ich ähnlich. Ich wünsche mir Leute, die mit Eigenintiative und guten Ideen erfolgreich sind. Und denen man es so richtig gönnt. Die Parallelen zur New Economy werden ja nur gezogen, weil es eben die leider sehr lauten “schwarzen Schafe” sind, die mit sich eine ganze Branche in den Dreck ziehen.

  2. hep-cat.de sagt:

    studiVZ ist/war prinzipiell eine sehr gute Idee, aber ein Unternehmen kann halt nicht besser sein als seine Führungstruppe. Große Datensätze und mangelnder Datenschutz dürfen sich nicht einfach hinter “BETA” verstecken. Die Kommunikation mit den “Kunden” bezüglich der Probleme ist unter aller Kanone.

  3. Roland sagt:

    Stimmt. es ist eine gute Idee, aber ganz sicher nicht die originäre Idee von StudiVZ. Und wenn schon ein Plagiat, dann besser als das Original!

2 Quellenverweise

  1. Curious Creatures » Blog Archive » Was läuft schief bei StudiVZ? schreibt:

    [...] Ich würde ja vermute, das Ding läuft aus dem Ruder, weil es keinen Seele hat; weil die Macher nur ans Geld und nicht ans Projekt an sich denken. Das „Ohr kauft mit!“-Blog hat das noch schöner formuliert (Fettung von mir): Wer Werte nur als die Masse materieller Güter verinnerlicht hat, wer Kunden und Mitglieder nur als Schwungmasse verwertbarer Aktiva versteht und wer glaubt, ohne wirkliche Substanz ans schnelle Geld zu kommen (Anleger eingeschlossen), wiederholt in der Tat die Fehler, die einen ganzen Kapitalmarkt schon einmal zerstörten. [...]

  2. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Blogger sind die besseren Journalisten schreibt:

    [...] ihn nicht. Ich wollte auch den Hype von “Second Life” nicht. Noch nicht einmal “StudiVZ“. Ich glaube nur einfach an den inhaltlichen Mehrwert bestimmter Autoren, die mir auch im [...]

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