Die Informationselite geht flöten.
Nein, nein, diesmal nicht im wörtlichen Sinn, obwohl es dann thematisch noch besser in dieses Journal passen würde. Gemeint ist eine politische Informationselite, die strukturell schrumpft, so jedenfalls Spiegel-Online im Zusammenhang mit klassischen Print-Medien.
“Flöten geht den klassischen Medienhäusern also ausgerechnet die so genannte Informationselite.”
Diese Entwicklung ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Die Informationselite flötet eben (wo)anders. Wenn schon heute für alle 14-21jährigen das primäre Informationsmedium das Internet darstellt, dann kann man sich ausrechnen, wie diese Gruppe in 10 Jahren die Statistik weiter verschiebt. Zwar gibt es auch eine enorm steigende Zahl an sogenannten “Silver-Surfern”, also den erwachsenen Internet-Usern (älter 50 Jahren), aber auch dort ist ein -wenn auch statistisch trägeres- Nutzerverhalten in diese Richtung zu beobachten.
Was soll also eine Zeitung von heute tun, um ihren Platz in der neuen Informationswelt zu festigen? Neben dem Internet ist und bleibt ja TV ein halbwegs aktuelles Medium mit universeller Verbreitung. Faktisch liefern Zeitungen also Nachrichten, die alt sind, schon im Moment ihrer Papiergeburt. Damit bekommt der Satz “Nichts ist so alt wie die Nachricht von gestern.” eine ganz andere Couleur. Die Zeitung selbst kann ihr Konzept gar nicht mehr auf Aktualität stützen; die Produktion des Mediums dauert einfach zu lange. Hinzu kommt das Kostenproblem. Was nützt ein Netz von Redakteuren und Korrespondenten, wenn diese vornehmlich wieder in ein Print-Format “hineininformieren”, welches erst produziert werden muss?!
Die Chance für das Print-Format sehr ich nur in einem einzigen Weg: Journalistische Qualität. In einer Zeit immer schneller verfügbarer und veröffentlichter Nachrichten erhält der sogenannte Hintergrundbricht eine zunehmend wichtigere Bedeutung, der nicht so unmittelbar an den Faktor Zeit gekoppelt ist. Im Gegenteil: Ein gut recherchierter Hintergrundbericht braucht Zeit. Wenn also Print-Formate auf dieser “Meta-Ebene” der Information die richtige Dosis zwischen Tickernachricht und Sachbuch finden, dann bin ich als Leser dabei. Denn Informationsflut braucht eben auch vertrauenswürdige journalisitsche Gatekeeper, die die Spreu vom Weizen trennen und in einen Fokus stellen. Und solche Informationen lese ich auch gerne offline.

Januar 22nd, 2007 at 17:21
Was die Aktualität angeht kann das Internet nur schwer geschlagen werden. Eine Eilmeldung verbreitet sich dort rasend schnell. Als am 11.09. das WTC attackiert wurde habe ich mir die News bei N-TV und N24 angesehen. Damals hatte ich noch keine Flatrate. Doch was mir im Netz noch fehlt sind die regionalen News. Ich sitze jeden morgen in der S-Bahn und lese Zeitung. Ich komme gar nicht drumherum, wenn ich wissen will, was szenemässig so abgeht. Ich schätze gerade auch die sonstige Vielfalt in einer Zeitung, bei der ich immer wieder auf Themen stosse, die ich im Netz einfach überlesen hätte. Was die Qualität der Nachrichten angeht, so vertraue ich immer noch eher den traditionellen Quellen, wie Tagesschau und Konsorten. Wobei es mir schwer fällt mich auf die vereinbarte Zeit um 20h zu halten.
Januar 23rd, 2007 at 16:13
Toller Blog. Viele interessante Themen! Gute Gedanken hier. Kompliment.
Einzig Worte wie: “Gatekeeper” oder ähnliches nerven. Muß das sein? Besonders das Wort “Wishlist” geht mir gehörig auf den Sack. Eigentlich ist dieser Amerikanismen-Trend doch schon wieder überholt (”out”). Wer wirklich im Trend ist (”up to date”, “hip”, “cutting edge”……) vermeidet diese unnötigen verleih-ich-meiner-meinung-mal-mehr-kompetenzeindruck-indem-ich-cool-klingende-wörter-benutze-Manierismen. Bei mir bewirkt das eher das Gegenteil.
Ansonsten von mir: Daumen hoch! Weiter so!
Januar 23rd, 2007 at 16:23
Ich gelobe Besserung. Ansonsten freut´s uns, dass die Inhalte Anklang finden - um in der Musikterminologie zu bleiben - .
November 6th, 2008 at 10:40
Na, wieder mal ein Thema gefunden, um den Untergang der Tageszeitung(en) zu prophezeien? Natürlich habe auch ich mich gefragt, wie gehen die jetzt alle damit um, dass es zum Redaktionsschluss eigentlich nichts zu sagen gibt. Ich fand das spannend zu vergleichen und einige der Schlagzeilen wunderbar gelöst.
Ansonsten gibt das Ereignis US-Präsidentenwahl und der Moment der Entscheidung nicht viel her, weil singulär. In Wirklichkeit haben sich die aktuellen Morgenausgaben der deutschen Tageszeitungen mit ihren Redaktionsschlüssen prima auf den Zeitunterschied zur USA eingestellt. Viel wichtiger als das Ergebnis einer Präsidentenwahl sind doch Schlusskurs des Dow Jones in New York (22:00 Uhr unserer Zeit), viel wichtiger sind Pressekonferenzen und politische Verlautbarungen. Die kommen alle vor 22:00 Uhr und lassen sich binnen 2 Stunden aktuell für die Morgenausgabe in unserem Land verwursten. Die ist den US-Printmedien dann um 6 bis 9 Stunden voraus, aktueller muss eine gedrucktes Medium zum Frühstück in Deutschland nicht sein, finde ich.